Rocchetta Alta "Navasa"


...es werd scho glei dumpa...Nightfall am Pelmo...
...es werd scho glei dumpa...Nightfall am Pelmo...

 

Einer der begehrten großen Wanddurchstiege in den Dolomiten,

mit begeisternder, naturgegebener Linie mitten durch das

imposante Gemäuer...wegen der kontinuierlichen Schwierigkeiten

und der beachtlichen Länge des Anstieges sind die Gesamtanforderungen nicht zu unterschätzen...(Ivo Rabanser)

 

Dem ist mal wieder nichts hinzuzufügen....außer vielleicht bei

mir statt begeisternd eher beängstigend...😉...

 

Ufff!! ist des schwer...wo sind jetzt die Bohrhaken???  In der sechsten Länge
Ufff!! ist des schwer...wo sind jetzt die Bohrhaken??? In der sechsten Länge

 

Nach der "Ultima Thule" am Falzarego Pass fahren wir 

weiter ins urig italienische Val di Zoldo....beim Pontisei

Stausee geht´s los zur Bosconero Hütte...Dirk möchte

sich auch mal die Navasa näher anschauen.

Vom Tal aus betrachtet, schaut´s echt schon beeindruckend aus...irgendwie haltlos...hoffentlich

komm ich da hoch...

 

auf den ersten drei irgendwie "lali-mäßigen", aber

leichten Seillängen werden wir gleich von zwei 

Italienern "überrannt"....danach sind wir ganz allein...

 

WOAHH!! Bloß nicht runterschauen...Einer der Italiener am Stand nach dem Quergang
WOAHH!! Bloß nicht runterschauen...Einer der Italiener am Stand nach dem Quergang

 

Die Burschen sind echt fit und hangeln frei an den 

Auflegern oben rum (da wo die Haken sind) den 

Quergang rüber...dabei hängt der Seilerste nicht mal

alle Haken ein...

wir hingegen sind defensiv unterwegs...ist auch technisch geklettert nicht ganz leicht...

Im aktuellen Pause Buch steht tatsächlich, dass es

teilweise Bohrhaken gibt (was mich im Vorfeld

etwas beruhigt hatte), dem ist aber natürlich nicht so!!

 

...und schön ruhig atmen...
...und schön ruhig atmen...

 

Halb technisch halb frei "schwingen" auch wir uns

langsam rüber....wobei gesagt werden sollte, dass

sich der letzte Zwischenhaken vor dem Stand

bedenklich nach unten biegt bei Belastung...ich habe

ihn deshalb nicht benutzt und habe mich vom 

vorletzten irgendwie rübergeschoben...zum Stand

ist es übrigens weiter als man denkt und das ohne

weitere Haken...

 

***STEIL***
***STEIL***

 

Die Kletterei ist durchwegs steil und anstrengend...weit mehr als gedacht.

Auch diese 6- Länge nach dem Quergang macht da

keine Ausnahme...bei nicht ganz klarem Routenverlauf.

Tipp: es geht gerade rauf, dann erst nach links.

Haken stecken auch nur spärlich.

...noch steiler!!!
...noch steiler!!!

 

Bald darauf kommt auch schon die zweite Schlüsselstelle der

Wand und zwar der gelbe überhängende Riss...laut Daniel

sogar schwerer als der Quergang...

Auch hier klettern wir teil technisch, auch um wenigstens 

etwas Kraft zu sparen...die braucht man nämlich noch!

Der Stand ist dann voll luftig oben rechts.

 

Es bleibt luftig...die Tiefblicke werden immer beeindruckender...
Es bleibt luftig...die Tiefblicke werden immer beeindruckender...

 

Die Ausgesetztheit ist inzwischen enorm...man kann ohne Hindernisse direkt zum Einstieg schauen...da geht´s fast schon

Bigwall mäßig runter...die Wand ist echt eine kompakte Mauer...

Das Gestein empfanden wir beide aber nicht so toll, wie

es diversen Führern zu entnehmen ist...es gibt schon 

einige hohle Schüppchen und wacklige Griffe.

Die anhaltenden Schwierigkeiten führen bei uns bald zur

Erkenntnis, dass wir heute, wenn überhaupt, nur noch den 

"Notaustieg" schaffen können....

den eigentlich kommt da ja noch die dritte Schlüsselstelle und

zwar das spektakuläre gelbe Dach...gefolgt von fünf weiteren

Seillängen.

...gerade noch rechtzeitig...
...gerade noch rechtzeitig...

 

Tatsächlich kommen wir nach weiteren langen und nicht

leichten Seillängen unter dem Überhang an und sind froh

es bis hierhin geschafft zu haben.

Dirk packt den Notausstieg an und ich bin frohen Mutes, dass

wir bald das Band erreichen werden, welches aus der Wand 

führt. Man kann es von hier schon erahnen...langsam fängt es

schon das dämmern an...

Doch seit geraumer Zeit bewegt sich das Seil nun keinen

Zentimeter mehr...was ist da los...es wird echt knapp jetzt!!

Sehen kann ich den Kumpel nicht...manchmal klimpert es nur

dezent...dann auf einmal der Ruf von oben: Stand!!

Boah, bin ich froh...aber nur kurz...mit Erschrecken stelle ich fest,

das Dirk das rettende Band gar nicht erreicht hat...sondern

mitten in der a....glatten Platte einen Hängestand gebaut hat!!!

 

 Der Grund ist der massive Seilzug, deshalb sollte man unbedingt

auf dem Pfeilerkopf einen Zwischenstand einlegen.

Ich stehe im Verschneidungsgrund und muss nun irgendwie

zehn oder mehr Meter nach links queren...wohlgemerkt ohne

Zwischensicherung...Haken gibt es nämlich nicht....wenn

ich hier falle, gibt´s den Supergau!!!

Ich versuche es kurz und stürze fast...klettere darauf noch mal 

zur Verschneidung zurück...sammle mich und dann: Augen zu

und durch...aber ganz "gefühlvoll".

Bald hängen wir beide an dem Stand (nicht mal eine Fußleiste

gibt es...)

...best bivy ever!!
...best bivy ever!!

 

Der Stand besteht aus einem Haken und zwei kleinen Cams.

Vom Ausstieg trennen uns nun noch ca. 15 Meter...Dirk kann sich

nochmals aufraffen und erreicht ihn bei Dunkelheit....sauber Bua!!!

 

Wir queren mit den Stirnlampen um die Ecke und stehen bald

bei einem super Biwakplatz...schön eben und mit weichem 

Rasen...ein Traum!!! Hier bleiben wir...die Nacht wird auch

gar nicht so kalt...eines der besten Biwaks...

Sehr klassisches Abstiegsgelände!
Sehr klassisches Abstiegsgelände!

 

Am nächsten Morgen queren wir weiter Richtung Schlucht und

steigen bald in ihr ab.

Schnee liegt keiner mehr, aber wir sind erstaunt, wie steil es teilweise abbricht und wir richten sogar ein paar Abseillängen

ein.

Nun erreichen wir zügig wieder den Einstieg und schauen vier

Italienern zu, die gerade einsteigen und wir lassen die Wand 

nochmals auf uns wirken...

Echt eine Wahnsinns Wand...vier Kletterer sind schon unterwegs...
Echt eine Wahnsinns Wand...vier Kletterer sind schon unterwegs...
Heimeliges Hüttchen!
Heimeliges Hüttchen!

 

Dann gibt es zur Belohnung ein Frühstück und a halbe Bier.

Man reicht uns sogar das Tourenbuch und der Hüttenwirt

erzählt uns, dass sie uns beobachtet hätten und schon

in Sorge waren...

 

Später im Tal treffen wir dann auch noch den Hübschei...

er hat mit seiner Freundin die Strobelkante gemacht und

war von der Tour auch recht begeistert...er hat noch ein

paar wilde Pause Stories auf Lager und uns gruselt es 

schon beim Zuhören...cooler Typ!

 

Bosconero im Abendlicht...
Bosconero im Abendlicht...

 

Fazit:  kompromisslos steil und anstrengend

           bei mäßiger Absicherung 

 

 

Material:  Cams bis Größe 3  (bis 1 doppelt)

                 Keile

                 Hammer und 6 Haken (nicht verwendet)

                 Biwaksack

 

Topo:  Best of Dolomiten (passt hervorragend) 

 

 

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