
Einer der begehrten großen Wanddurchstiege in den Dolomiten,
mit begeisternder, naturgegebener Linie mitten durch das
imposante Gemäuer...wegen der kontinuierlichen Schwierigkeiten
und der beachtlichen Länge des Anstieges sind die Gesamtanforderungen nicht zu unterschätzen...(Ivo Rabanser)
Dem ist mal wieder nichts hinzuzufügen....außer vielleicht bei
mir statt begeisternd eher beängstigend...😉...

Nach der "Ultima Thule" am Falzarego Pass fahren wir
weiter ins urig italienische Val di Zoldo....beim Pontisei
Stausee geht´s los zur Bosconero Hütte...Dirk möchte
sich auch mal die Navasa näher anschauen.
Vom Tal aus betrachtet, schaut´s echt schon beeindruckend aus...irgendwie haltlos...hoffentlich
komm ich da hoch...
auf den ersten drei irgendwie "lali-mäßigen", aber
leichten Seillängen werden wir gleich von zwei
Italienern "überrannt"....danach sind wir ganz allein...

Die Burschen sind echt fit und hangeln frei an den
Auflegern oben rum (da wo die Haken sind) den
Quergang rüber...dabei hängt der Seilerste nicht mal
alle Haken ein...
wir hingegen sind defensiv unterwegs...ist auch technisch geklettert nicht ganz leicht...
Im aktuellen Pause Buch steht tatsächlich, dass es
teilweise Bohrhaken gibt (was mich im Vorfeld
etwas beruhigt hatte), dem ist aber natürlich nicht so!!

Halb technisch halb frei "schwingen" auch wir uns
langsam rüber....wobei gesagt werden sollte, dass
sich der letzte Zwischenhaken vor dem Stand
bedenklich nach unten biegt bei Belastung...ich habe
ihn deshalb nicht benutzt und habe mich vom
vorletzten irgendwie rübergeschoben...zum Stand
ist es übrigens weiter als man denkt und das ohne
weitere Haken...

Die Kletterei ist durchwegs steil und anstrengend...weit mehr als gedacht.
Auch diese 6- Länge nach dem Quergang macht da
keine Ausnahme...bei nicht ganz klarem Routenverlauf.
Tipp: es geht gerade rauf, dann erst nach links.
Haken stecken auch nur spärlich.

Bald darauf kommt auch schon die zweite Schlüsselstelle der
Wand und zwar der gelbe überhängende Riss...laut Daniel
sogar schwerer als der Quergang...
Auch hier klettern wir teil technisch, auch um wenigstens
etwas Kraft zu sparen...die braucht man nämlich noch!
Der Stand ist dann voll luftig oben rechts.

Die Ausgesetztheit ist inzwischen enorm...man kann ohne Hindernisse direkt zum Einstieg schauen...da geht´s fast schon
Bigwall mäßig runter...die Wand ist echt eine kompakte Mauer...
Das Gestein empfanden wir beide aber nicht so toll, wie
es diversen Führern zu entnehmen ist...es gibt schon
einige hohle Schüppchen und wacklige Griffe.
Die anhaltenden Schwierigkeiten führen bei uns bald zur
Erkenntnis, dass wir heute, wenn überhaupt, nur noch den
"Notaustieg" schaffen können....
den eigentlich kommt da ja noch die dritte Schlüsselstelle und
zwar das spektakuläre gelbe Dach...gefolgt von fünf weiteren
Seillängen.

Tatsächlich kommen wir nach weiteren langen und nicht
leichten Seillängen unter dem Überhang an und sind froh
es bis hierhin geschafft zu haben.
Dirk packt den Notausstieg an und ich bin frohen Mutes, dass
wir bald das Band erreichen werden, welches aus der Wand
führt. Man kann es von hier schon erahnen...langsam fängt es
schon das dämmern an...
Doch seit geraumer Zeit bewegt sich das Seil nun keinen
Zentimeter mehr...was ist da los...es wird echt knapp jetzt!!
Sehen kann ich den Kumpel nicht...manchmal klimpert es nur
dezent...dann auf einmal der Ruf von oben: Stand!!
Boah, bin ich froh...aber nur kurz...mit Erschrecken stelle ich fest,
das Dirk das rettende Band gar nicht erreicht hat...sondern
mitten in der a....glatten Platte einen Hängestand gebaut hat!!!
Der Grund ist der massive Seilzug, deshalb sollte man unbedingt
auf dem Pfeilerkopf einen Zwischenstand einlegen.
Ich stehe im Verschneidungsgrund und muss nun irgendwie
zehn oder mehr Meter nach links queren...wohlgemerkt ohne
Zwischensicherung...Haken gibt es nämlich nicht....wenn
ich hier falle, gibt´s den Supergau!!!
Ich versuche es kurz und stürze fast...klettere darauf noch mal
zur Verschneidung zurück...sammle mich und dann: Augen zu
und durch...aber ganz "gefühlvoll".
Bald hängen wir beide an dem Stand (nicht mal eine Fußleiste
gibt es...)

Der Stand besteht aus einem Haken und zwei kleinen Cams.
Vom Ausstieg trennen uns nun noch ca. 15 Meter...Dirk kann sich
nochmals aufraffen und erreicht ihn bei Dunkelheit....sauber Bua!!!
Wir queren mit den Stirnlampen um die Ecke und stehen bald
bei einem super Biwakplatz...schön eben und mit weichem
Rasen...ein Traum!!! Hier bleiben wir...die Nacht wird auch
gar nicht so kalt...eines der besten Biwaks...

Am nächsten Morgen queren wir weiter Richtung Schlucht und
steigen bald in ihr ab.
Schnee liegt keiner mehr, aber wir sind erstaunt, wie steil es teilweise abbricht und wir richten sogar ein paar Abseillängen
ein.
Nun erreichen wir zügig wieder den Einstieg und schauen vier
Italienern zu, die gerade einsteigen und wir lassen die Wand
nochmals auf uns wirken...

Dann gibt es zur Belohnung ein Frühstück und a halbe Bier.
Man reicht uns sogar das Tourenbuch und der Hüttenwirt
erzählt uns, dass sie uns beobachtet hätten und schon
in Sorge waren...
Später im Tal treffen wir dann auch noch den Hübschei...
er hat mit seiner Freundin die Strobelkante gemacht und
war von der Tour auch recht begeistert...er hat noch ein
paar wilde Pause Stories auf Lager und uns gruselt es
schon beim Zuhören...cooler Typ!



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